Roth – Im Bistro nach Mitternacht (Im mittäglichen Frankreich; Marseille)

Ich habe hinter mir den eintönigen Gesang des Wassers, vor mir schon den bunten der Stadt und über mir eine große Wolke aus Lärm.

Ich liebe den Lärm von Marseille, voran reiten die schweren Glocken der Türme, stürmen die heiseren Pfiffe der Dampfer, aus blauen Höhen tropft die Melodie der Vögel. Dann kommt der ganze Heerbann der Alltagsstimmen, die Rufe der Menschen, das Tuten der Gefährte, das Klirren der Geschirre, der Schall der Schritte, das Klopfen der Hufe, das Gebell der Hunde. Es ist ein Festzug der Geräusche.

Langsam lösen sich aus dem Weiß des Stadtbilds die grauen Streifen der Gassen, das Zickzack gekrümmter und hastiger Treppen, die Gestalten der Menschen, die bunten Wäschefahnen über der Straßenmitte, die braunen Bottiche vor den Türen, die schmalen Bänder rinnenden Schmutzes, die grauen Zelte der Straßenhändler, die dunklen Berge der Muscheln, die bunten Schilder der Läden, die goldenen Fenster, in denen die Sonne schwimmt und das samtene Grün der Bäume. Ich liebe die schöne, bewegte, müßige und zwecklose Geschäftigkeit in den Straßen. Die meisten Menschen gehen nicht ihren Pflichten nach, sondern neben den Pflichten. Der exotisch gekleidete Fremdling, von fernen Küsten hergetrieben, reiht sich in den Gewändern seiner Heimat dem bewegten Zug der Straße ein und fühlt sich wie zu Hause. Er ändert weder Tracht noch Schritt, noch Bewegung. Er schreitet wie auf eigenem Boden, er trägt die Heimat an den Sohlen. Nichts kann so exotisch sein, daß es Aufsehen erregte. Der Bürgersteig gehört der ganzen Welt, den Passagieren von siebenhundert Schiffen aus allen Ländern.

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Berest – Die Postkarte

Sie blieb trotz der Kälte lange draußen stehen, rauchend und die unwirkliche Stimmung genießend, die sich über ihren Garten gelegt hatte. Sie fand es schön, all dieses Nichts, diese Auslöschung der Farbe und Linien.

S. 5

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Fry – Auslieferung auf Verlangen (15. Kapitel – Abschied; 2)

Da wir durch Nebenstraßen fuhren, sah ich die Cannebière und den Vieux Port nicht mehr. An der Gare St. Charles stieg ich dann aber die große Freitreppe hinauf und sah von dort auf die Boulevards hinunter – d’Athènes und Dugommier, Cannebière und Garibaldi. Die Spätnachmittagssonne vergoldete die Stadt, und die Leute hasteten von der Arbeit nach Hause. Trotzdem machte die Stadt einen stillen, ruhigen Eindruck. Da fast keine Autos fuhren, hörte man nur sehr selten den Lärm von einem krachenden Getriebe, von Hupen oder dem Pfeifen von Polizisten. Überall gingen Fußgänger so sorglos mitten auf der Straße, als wäre es ein Bürgersteig. Das Klingeln der Straßenbahnen, das gedämpft aus der Ferne herüberklang, und das gelegentliche Geklapper von Holzschuhen auf dem Pflaster waren die einzigen Geräusche. Selbst im Hafen rührte sich nichts.

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Pylväinen – Das letzte Leuchten im Winter (7)

[…] ihr ganzer Körper war erschöpft von so vielen Gefühlen, sie wollte sich nur noch hinlegen und sich nicht mehr bewegen, nicht mehr denken, die Hoffnung wegschlafen, bis sie nicht mehr da war.

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Pylväinen – Das letzte Leuchten im Winter (4)

Es wäre besser gewesen, dachte er, weise zur wirken, indem er schwieg, wie die Finnen.

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Koeppen – Reisen nach Frankreich (Die Loire ist einfach Glück)

Vor der silbergrauen Ferne verweilten ein Mann und eine Frau in engster Umarmung. Um sie war nur der Wind. Es war eine unheimlich Welt. Dann kam die Flut.

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Bratt – Zwei glückliche Sommer (Ein schwieriges Problem)

Nun saßen sie hier beieinander und bliesen Trübsal.

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Miller – The Change

For the first time in decades, Jo’s body felt like it was finally hers. She not only owned it, she fucking loved it. It carried her all the way across town without getting winded.

p. 67

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Jansson – Das Puppenhaus (Lokomotive)

Ob sie wohl die Schönheit des Zuges sah? Oder stellte sie sich die Befreiung von Verantwortung vor, die mit einer Zugreise verbunden sein konnte? Aufzubrechen, weg, fort … Und während man weitergetragen wird, ist alles, was hinter einem liegt, irreparabel, definitiv, und das Ziel, dem man sich nähert, hat noch keine Ansprüche gestellt. Man ist ein Reisender, für kurze Zeit ist man frei.

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Mai Schwarzweiß

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