Boyle – Wassermusik (Kalte Füße)

Ein Jahr ist gar nichts: eine Feder im Wind, ein Atemzug. Einmal umgedreht, schon ist es vorbei. Eis, Knospe, Blatt und Zweig. Gänse im Teich, Stoppeln auf dem Feld. Dreihundertfünfundsechzig Sonnenaufgänge, dreihundertfünfundsechzig Nächte. Kleinere Schürfwunden, ein verrenkter Knöchel, eine Triefnase, der Tod eines fernen Verwandte. Auf dem Dachboden rumort ein Eichhörnchen, im Sturm stürzt ein Baum um. Die Zeiger der Standuhr im Flur beschreiben siebenhundertdreißig Kreise. Fenster klappen auf, Vorhänge fallen zu, Teller, Tassen und Löffel werden benutzt und geschrubbt, benutzt und geschrubbt. Donner kracht auf die Hügel nieder wie ein Schmiedehammer, Schnee klettert die Zaunpfähle empor, Sonnenlicht reibt die Fensterscheiben blank wie Kupfer. Ein Jahr. Eines von wie vielen: fünfzig? Sechzig? Heimtückisch nagen die Tage daran.

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