Seghers – Transit (Zweites Kapitel, III)

Ich stieg bei der Endhaltestelle auf eine Elektrische. Unbehelligt fuhr ich ein. Ich zottelte zwanzig Minuten später mit dem Handkoffer über die Cannebière. Meistens ist man enttäuscht von Straßen, von denen man viel gehört hat. Ich aber, ich war nicht enttäuscht. Ich lief mit der Menge hinunter im Wind, der Licht und Schauer über uns trieb in rascher Folge. Und meine Leichtigkeit, die vom Hunger herrührte und von Erschöpfung, verwandelte sich in eine erhabene, großartige Leichtigkeit, wie geschaffen für den Wind, der mich immer schneller die Straße hinunterblies. Wie ich begriff, daß das, was blau leuchtete am Ende der Cannebière, bereits das Meer war, der alte Hafen, da spürte ich endlich wieder nach soviel Unsinn und Elend das einzig wirkliche Glück, das jeden Menschen in jeder Sekunde zugänglich ist: das Glück, zu leben.

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