Hustvedt – Die zitternde Frau

Jenes alte Gebäude wurde inzwischen abgerissen, aber ich erinnere mich an seine düsteren Flure, seine Gerüche, den Aufzug mit der roten Tür, an den Limonadenautomaten, der im Stockwerk unter uns schimmerte, und die Tasten darauf für Royal Crown Cola. Ich erinnere mich an den dicken, netten Hausmeister Bud mit seinen staubigen Hosen, an die verbotenen oberen Stockwerke, in die sich meine Schwester Liv und ich ein paarmal hinaufwagten. Ich erinnere mich an den Blick aus dem Fenster unserer Wohnung, wo ich an einem Ostertag stand und weinte. An diesem Tag der Hüte, Handschuhe und leichten Frühlingskleider schrieb der Brauch warmes, sonniges Wetter vor, doch was ich durchs Fenster sah, war Schnee. […] Ich erinnere mich, wie ich über den Gitterrosten draußen vor der Bibliothek lag und das Bonbonpapier, die Zigarettenkippen und alle möglichen Abfälle studierte, die da hineingefallen waren, und wie spannend ist es fand, einfach auf die Dinge zu schauen. […] Orte haben Macht.

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