Kerr – Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (div.)

Dieses Buch und seine Folgebände gehört zu den Büchern, die Stellen beinhalten, an die ich mich immer erinnere, wenn etwas in einem (mag er auch noch so absurd sein) Zusammenhang dazu auftaucht. Ich muss sie deswegen nun notieren, auch wenn sie eventuell nicht literarisch herausragend sind.

Gerade als sie rief: „Auf Wiedersehen, Durchreiche!“, öffneten sich die beiden kleinen Klappen, und Heimpi streckte von der Küchenseite her den Kopf hindurch. […] Wider Willen füllten sich ihre Augen mit Tränen, und sie rief etwas ganz Unvernünftiges: „Oh Heimpi, ich will nicht von dir und der Durchreiche weggehen!“

(3)

Mama lernte stricken. Sie hatte es nie zuvor getan. […] Aber irgendwie sah es bei Mama nie richtig aus. Während Frau Zwirn dasaß und die Nadeln leicht zwischen den Fingern tanzen ließ, strickte Mama von der Schulter aus. Jedes Mal wenn sie die Nadel in die Wolle stieß, kam es einem vor wie ein Angriff. Jedes Mal, wenn sie den Faden durchzog, zog sie so fest, dass er beinahe riss. Deshalb wuchs der Pullover auch nur langsam, und das Gestrick sah aus wie ein dicker Tweed.
„Ich habe eine solche Strickerei noch nie gesehen“, sagte Frau Zwirn erstaunt, „aber es wird schön warm sein, wenn es fertig ist.“

(6)

Im Geheimen beschloss sie, sich wirklich jeden Tag den Hals mit Seife zu waschen, solange Mama weg war, dann konnten die Nazis wenigstens nicht sagen, die Juden hätte dreckige Hälse.

(11)

Im Seidenpapier lag ein kurzes Silberkettchen, an dem winzige Tiere hingen. Da waren ein Löwe, ein Pferd, eine Katze, ein Vogel, ein Elefant und natürlich ein Affe.

(13)

Sie hatte mit dem Lineal ein Kästchen um die Wörter „Eingekleidete Aufgaben“ gezogen, und dieses Kästchen mit einer Wellenlinie in roter Tinte umgeben. Dann hatte sie die Wellenlinie mit Pünktchen verziert und drum herum eine Zickzacklinie gemalt, und dies wieder mit blauen Pünktchen verziert. Zu all dem hatte sie beinahe eine Stunde gebraucht.

(19)

Und dann war eines Tages ihre ganze Welt verändert.
Es war an einem Montagmorgen, und Colette traf Anna am Schultor. „Was hast du am Sonntag gemacht?“, rief sie – und statt sich die Frage im Geist ins Deutsche zu übersetzen, sich eine Antwort auszudenken und sie ins Französische zu übersetzen, rief Anna zurück: „Wir sind unsere Freunde besuchen gegangen.“

(19)

Da schellte es, und Max erschien ganz blass und aufgeregt. „Mama“, rief er, noch bevor er ganz im Zimmer war. „Du musst am Samstag zur Preisverleihung kommen. Und wenn du was anderes vorhast, musst du es absagen. Es ist sehr wichtig!“
Mama machte ein erfreutes Gesicht.
[…] und der Rest des Satzes schien ihm in der Kehle stecken zu bleiben. „Ich habe…“ brauchte er schließlich heraus, „ich habe den prix d’excellence gewonnen! Das bedeutet, dass ich der beste Schüler der Klasse bin.“

(21)

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